Die Geschichte des Tempelhofer Flughafens begann 1923. Damals wurde ein vergleichsweise kleiner Airport errichtet. Kaum war Adolf Hitler an der Macht, befahl er, hier den „größten und schönsten Flughafen der Welt“ zu errichten, der sowhl militärisch als auch zivil genutzt werden sollte. Für einen reibungslosen An- und Abtransport von Gütern und Passagieren wurden Eisenbahn- und Straßentunnel gebaut, auch gab es eine eigene Wasser- und Energieversorgung.

Die Pläne des Architekten Ernst Sagebiel für den mehr als 1,2 Kilometer langen NS-Prachtbau wurden dann noch einmal pompöser und massiver, als Albert Speer das Ruder übernahm. Mit 300.000 Quadratmeter Geschossfläche war das Gebäude damals das größte der Welt – Stein gewordene faschistische Ideologie und Machtinszenierung.  

Allerdings verzögerte sich die für 1938 geplante Fertigstellung: Es mangelte an Material und Arbeitskräften. 1940 wurde der Bau dann ganz eingestellt: Hinter vielen Fassadenteilen befindet sich nichts als umbauter, leerer Raum.

In unmittelbarer Nachbarschaft der Flughafenbaustelle hatten SS und Gestapo bereits 1933 ein Konzentrationslager für politische Gefangene errichtet. Später entstanden hier mehrere große Barackenlager für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Viele von ihnen mussten für die Weser-Flugzeugbau GmbH und andere Rüstungsunternehmen schuften, die in den Hangaren und Hallen des Riesenbaus untergebracht waren. Das Gebäude war zum kriegswichtigen Rüstungsstandort erklärt worden. Über diesen Teil der Geschichte war lange geschwiegen worden. 2012 legten Archäologen der Freien Universität Reste von Zwangsarbeiterlagern frei.

Weitergehende Informationen:

Elke Dittrich, Der Flughafen Tempelhof in Entwurfszeichnungen und Modelen 1935 – 1944, Lukas-Verlag. 4. Auflage 2012

Das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in der Britzer Straße zeigt in einer Ausstellung das Ausmaß von Zwangsarbeit in Berlin während der NS-Zeit