C-47s_at_Tempelhof_Airport_Berlin_1948

Es geschah in der Nacht zum 24. Juni 1948: Die sowjetischen Truppen sperrten alle Straßen und Wasserwege nach West-Berlin. Offizieller Anlass war die Einführung der D-Mark durch die Westalliierten. Auch die Gas- und Stromversorgung wurde gekappt. Etwa 2,2 Millionen Menschen lebten in den drei Westsektoren Berlins. Klar war, dass sie ohne Hilfe von außen nur wenige Wochen überleben könnten. Es schien nur eine Frage der Zeit, bis auch die Westberliner*innen im sowjetischen Besatzungsbgebiet leben würden.

Am 26. Juni brachten Flugzeuge der U.S-Air Force die ersten Hilfsgüter nach Berlin Tempelhof. Auch britische, kanadische, australische, neuseeländische und südafrikanische Piloten beteiligten sich an der Luftbrücke. Zuvor hatte das Dröhnen der Militärflugzeuge bei der Bevölkerung Angst vor Tod und Zerstörung ausgelöst, jetzt verhieß es die Lieferung von allem Überelebensnotwendigen – Nahrungsmittel, Brikett, Medikamente und Benzin. Und nicht nur das: Dem späteren Kommandanten des Tempelhofer Flughafens Gail Halvorsen wird zugeschrieben, als erster Süßigkeiten an kleine Falschirme gehängt zu haben, um die Kinder zu erfreuen. Das brachte den Flugzeugen den Namen Rosinenbomber ein.

Lange Zeit war unklar, ob die Anstrengungen ausreichen würden. Die Essensrationen waren schmal und die Wintermonate erforderten die Lieferung von Heizmaterial. Bürgermeister Ernst Reuter wurde zum Symbol des Durchhaltewillens. „Dieses Volk von Berlin ruft heute die ganze Welt….Ihr Völker der Welt…schaut auf diese Stadt und erkennt, daß ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft, nicht preisgeben könnt!“

Zeitweise landeten die Rosinenbomber im Minutentakt. 2,3 Millionen Tonnen Fracht brachten sie bis Ende September 1949. Die ehemaligen Feinde retteten die Freiheit der Westberliner*innen. Symbol dafür ist der Tempelhofer Flughafen – für viele deshalb ein sehr emotionaler Ort.

Angesichts des 70. Jahrestages der Luftbrücke äußerte der Regierende Bürgermeister von Berlin Michael Müller:

Die Luftbrücke ist eine grandiose logistische und technische Leistung gewesen, die Blockade der Millionenstadt mit friedlichen Mitteln zu brechen. Wir vergessen dabei nicht, dass die Luftbrücke insbesondere unter dem fliegenden Personal viele Opfer gefordert hat. Vor allem aber ist durch den gemeinsamen Einsatz der Berlinerinnen und Berliner und der alliierten Mächte aus der auch durch Humanität getragenen und zunächst völlig utopisch erscheinenden Luftbrücke eine neue Verbindung zwischen Besatzern und deutscher Bevölkerung entstanden. Durch die gemeinsame Erfahrung im Berliner Freiheitskampf sind die USA, das Vereinigte Königreich und Frankreich zu Schutzmächten und zu Freunden geworden. Aus der verbindenden Kraft der Menschlichkeit, die Berlin 1948/49 erfahren hat, erwächst der Stadt der Freiheit heute und für die Zukunft die Pflicht zurückzugeben, was wir selber erfahren haben.“

Dem können wir nur zustimmen. In diesem Sinne möchten wir das, dass das Tempelhofer Flughafengebäude zu einem Gemeingut wird, wo erforscht und erprobt wird, wie eine urbane Versorguzngsstruktur aussehen kann, die mit den Grenzen unserer Erde dauerhaft vereinbar ist. Dieses Wissen sollten wir mit aller Welt teilen. Dahinter steht die Logik der Commons: Wissen ist kein marktwirtschaftliches Produkt. Wissen sollte großzügig geteilt werden – denn es wird mehr, wenn wir es teilen.